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01.02.2016 Christiane Stenzel

Reisetipps für die Lykische Küste in der Türkei

Für die Zeit über Wasser

Die antike Hafenstadt Phaselis. Foto: B. Wackerbauer

Sehens- und Wissenswertes

Das Meer vor der Lykischen Küste im Südwesten der Türkei hat eine Menge für Taucher zu bieten:
Schroffe Unterwasserlandschaften, Steilwände, Riffe, historische Funde wie Amphoren, Wracks und Steinanker – um nur ein paar Highlights zu nennen. Große Teile der Küste waren archäologisches Sperrgebiet, und das macht es heute zu einem spannenden Tauchrevier.

Über Wasser gibt es Lykische Felsengräber, Ruinenstätte und antike Häfen. Wer Freude an Geschichte hat, kommt ihr ebenso auf seine Kosten, wie alle, die einfach nur entspannen oder die Kultur kennenlernen möchten, ans Wasser wollen (Vorsicht, hier ist die Küste felisig und meistens gibt es Kiesstrand) – und gutes Essen schätzen.

Die Lykische Küste ist verschont geblieben vom Massentourismus und All-Inklusive- Wahnsinn. Die Entfernung zu den beiden Flughäfen Dalaman und Antalya ist dafür offenbar einfach zu groß. Gut so.

 

Als Lykien bezeichnet man die bergige Halbinsel und ihre Bewohner nannte man Lykier. Sie galten als ein ziemlich selbstbewusstes Volk, dass sich nicht so leicht unterkriegen ließ, und das eine recht bewegte Geschichte hatte. Von Homer wurde Lykien in der „Ilias“ auch als „Land des Lichtes“ bezeichnet.

Es gibt wirklich sehr, sehr viele antike Stätten an diesem Teil der Küste. Einen kleinen Ausschnitt haben wir hier für euch zusammengestellt:

 

Unsere Sightseeing-Tipps

 

Xanthos

Xanthos war die Hauptstadt des Lykischen Bundes und stand – gemeinsam mit dem Hauptheiligtum Letoon – für viele Jahre im Mittelpunkt der Lykischen Geschichte. Heute gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Geschichte von Xanthos ist ziemlich bewegt und schon Herodot schrieb darüber, wie sich die Einwohnerschaft selbst umbrachte, um der Vorherrschaft durch die Perser zu entgehen.
Heute gibt es dort ein antikes Theater, die Agora (Marktplatz) zu sehen, und gut erhaltene Felsengräber (eine für die Lykier typische Bauweise).


Letoon

Letoon befindet sich unweit von Xanthos entfernt (in der Nähe der Verbindungsstraße 400 von Kalkan nach Fethiye, der Weg ist ausgeschildert) und war ein antikes Heiligtum, in dem Leto, Artemis und Apollon verehrt wurden. Heute sieht man dort einige gut erhaltene Überreste des Tempels, der in einem recht sumpfigen Gebiet neben einer (heiligen) Quelle liegen.
Außerdem stehen hier die Überreste eines antiken Theaters, in dem zur Zeit des Lykischen Bundes Feierlichkeiten, Wettkämpfe und Aufführungen stattfanden.
Zusammen mit Xanthos gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Ausführliche Infos findet ihr übrigens dazu auf der Seite von Histolia.


Patara

Patara war eine der bedeutendsten Hafenstädte an der Lykischen Küste und wurde zirka im 5. Jhd. gegründet. Der antike Hafen von 1,6 km Länge lag am östlichen Ende des Xanthos Tales. Die Stadt an der östlichen Seite des Hafens, am Eingang zum zirka 3 km langen Tal. Das erkärt die strategische Bedeutung für Xanthos, denn Patara war damit so etwas wie das "Tor zum Landesinneren".

Doch im Laufe der Jahrhunderte versandete der Hafen sprichwörtlich und wurde schließlich aufgegeben. Zurück blieb eine faszinierende Ruinenstadt mit römischen Überresten und ein beeindruckender, zirka 18 kilometerlanger langer Sandstrand, wie er an der Lykischen Küste einmalig ist.
Einen spannenden Artikel gab es vor ein paar Jahren dazu in DIE ZEIT.

 

Phaselis

Die antike Hafenstadt ist noch gut erhalten und ihr sollte man auf jeden Fall einen Besuch abstatten – allein wegen der Möglichkeit eines Bades am Strand mit antiker Kulisse.
Drei natürliche Häfen gehörten zu Phaselis, der Stadthafen (Galeerenhafen), der Südhafen und der Nordhafen. Diese drei Häfen begründeten die strategische Bedeutung von Phaselis in der Antike. Sogar Alexander der Große überwinterte einmal hier.
Die drei Häfen werden heute teilweise als Badestrand genutzt und sind wunderbar eingebettet in eine beeindruckende Ruinenwelt. Säulen, Bögen, ein beeindruckendes Aquädukt und Pinienwälder machen Phaselis zu einer absoluten Sehenswürdigkeit.

 

Chimären

Die brennenden Flammen auf einem Berg nahe Cirali sind die kleine Wanderung wert!
Nach einem Anstieg von zirka 20 Minuten erreicht man die ersten Flammenfelder: Aus zahlreichen Öffnungen zwischen den Felsen züngeln kleine Flammen – ein seltenes Naturphänomen, dass man hier seit der Antike beobachtet. Damals sollen die Flammen teils sogar meterhoch gewesen sein - so dass man sie vom Meer aus sehen konnte. Heute sieht man eher kleine Flammen zwischen den Felsen hervor züngeln.
Zumal in der Abenddämmerung (also es sollte nicht schon richtig dunkel sein, man sollte die wunderbare Bergkulisse mit Blick aufs Meer noch genießen), kann man sich vorstellen, warum dieser Ort für die Menschen in der Antike heilig und Hephaistos dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst geweiht war.
Die Atmosphäre des Ortes ist auch heute noch ungebrochen, auch wenn unbedarfte Touristen sich immer wieder einen Spaß daraus machen, Marshmellows über den heiligen Flammen zu grillen ...


Olympus

Olympus war einst eine antike Hafenstadt. Heute tummeln sich am Strand zahlreiche Badetouristen. Die Ruinen, die zu Seiten des Flusses, der ins Meer mündet, liegen, sind eher Beigabe. Der Ort wirkt vor allem wegen des Backpackers-Feelings – Lounges, Cafés etc., die den Fluss säumen, bevor man die Ruinen erreicht. Olympus ist Anlaufstelle für viele Bergsportler und hier führt auch der Lykische Wanderweg entlang.


Myra

Myra ist vor allem aus zwei Gründen bekannt: Zum einen weil hier Bischof Nikolaus von Myra lebte, zum anderen wegen seiner grandiosen Felsengräber.
Die zahlreichen Stände mit Devotionalien, die man hier passiert, bevor man die Felsengräber erreicht, muss man dafür einfach mal in Kauf nehmen.
Die Felsengräber sind um zirka 400 v. Chr. entstanden. Die Lykier bestatteten ihre Toten grundsätzlich nicht in der Erde, sondern in Felsengräbern - man nimmt an, weil sie daran glaubten, dass die Seelen ihrer Verstorbenen so einfacher in den Himmel gelangen würden. Die Felsengräber gestalteten sie ein bisschen wie ihre eigenen Wohnhäuser und teils mit aufwendig gestalteten Verzierungen und Reliefs. Ein beeindruckender Anblick, auch aus der Ferne.

 

Kastellorizo / Meis

Von Kas aus bietet sich auch ein Ausflug auf die vorgelagerte griechische Insel Kastellorizo (Meis) an. Sie liegt drei Kilometer vor der türkischen Küste und ist von Kas aus mit der Fähre zu erreichen (zirka 30 Minuten Überfahrt).

Noch ein paar Reiseinfos

Einreisebestimmungen

Zur Einreise benötigt man einen Reisepass oder Personalausweis. Dieser muss noch mindestens 6 Monate gültig sein. Es gilt auch ein vorläufiger Reisepass, der ebenfalls noch mindestens 6 Monate gültig sein muss.

Flug

Wir sind mit Sunexpress nach Antalya geflogen. Will man die Lykische Küste erkunden, kann man auch nach Dalaman fliegen, zeitlich tut sich das nicht allzu viel. Aber unsere Reise begann in Adrasan und so flogen wir nach Antalya.
Da wir zwei Tauchausrüstungen und Fotoausrüstung dabei hatten, kamen wir mit dem erlaubten Freigepäck nicht zurecht.
Aber dafür gibt es eine gute Lösung: Man kann bei Sunexpress zusätzliches Gepäck gegen Aufpreis buchen. Das nennt sich dann „Übergepäckpakete“ - und die gibt’s in unterschiedlichen Staffelungen.
Für 15 Euro pro Person und Strecke konnten wir je 5 kg extra mitnehmen. Das reichte uns völlig aus. Außerdem gab's dazu noch eine Snackbox und ein Getränk. Neben Sunexpress fliegen unter anderen auch Air Berlin (fliegt leider nicht von allen Flughäfen in Deutschland); Hapag Lloyd und Türkisch Airlines in die Region.

Mietwagen

Wir haben einen Mietwagen über Car del Mar gebucht.
Solltet ihr mit einem Mietwagen unterwegs sein, empfehlen wir ein Navi mitzunehmen, das hat unseren Urlaub deutlich entspannt und wir konnten bei der Rückfahrt zum Flughafen eine echte Punktlandung machen. Die Abwicklung vor Ort war professionell und unkompliziert.

Da die Haftpflicht Versicherung in der Türkei eine viel zu geringe Deckung hat empfehlen wir hier den Abschluß einer Zusatzversicherung. Möglicherweise ist das bereits durch die eigene KFZ Haftpflicht abgedeckt. Mann spricht hier von der sogenannten "Mallorca Police". Aber Achtung: z.B. bei meiner Versicherung ist der asiatische Teil der Türkei nicht mit abgedeckt. Ich habe daher beim ADAC eine Zusatzversicherung abgeschlossen.

Sun Express landet in Antalya am Terminal 1. Die meisten anderen internationalen Flüge kommen an Terminal 2 an. Das ist deshalb wichtig, da die meisten Autovermietungen einen Mitarbeiter zur Autoübergabe in die Ankunftshalle schicken. Am besten der Autovermietung Ankunftszeit und Flugnummer schon bei der Reservierung mitteilen.

 

Transfer:

Reist ihr nicht mit dem Mietwagen an, dann lässt sich der Transfer bereits vor der Reise bequem direkt über eine der Tauchbasen oder den Reiseveranstalter organisieren.
Nach der Ankunft warten, vor der Ankunftshalle des Flughafens,  die zahlreichen Reiseveranstalter bereits mit Schildern auf Ihre Fahrgäste. Bei der Rückkehr unbedingt darauf achten einen frühen Termin für den Shuttle auszumachen. Kommt der nämlich ein wenig zu spät, kann es am Flughafen mit unberechenbarer Check-In-Schlange und Sicherheitskontrollen zeitlich ganz schön eng werden. Auch der Verkehr in Antalya ist nicht zu unterschätzen.

Der Transfer mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist zwar im Prinzip möglich aber relativ kompliziert und langwierig. Keine Empfehlung als Start in den Urlaub.


Übernachten

Kas
Wir haben im Lykia Hotel gewohnt, in einem sehr kleinen Zimmer mit Balkon und fantastischem Meerblick. Das Bad war allerdings dringend renovierungsbedürftig. Eine Renovierung ist uns für dieses Frühjahr zumindest angekündigt worden. Oberhalb der Bucht gibt es eine ganze Reihe von Hotels aller Kategorien. Durch die Lage am Hang hat man von quasi überall einen fantastischen Blick über die Bucht.

Bei einem längeren Aufenthalt oder mit mehr Personen sollte man auch eine Ferienwohnung in Betracht ziehen.

Sowohl für Hotel als auch für die Ferienwohnung empfiehlt sich auf die Entfernung zum Meer und Ortszentrum zu achten. 800 Meter klingt nicht viel, sind dabei aber bei 40 Grad Temperatur auch noch 500 Höhenmeter zu überwinden, wird es doch etwas anstrengender.

 

Adrasan
In Adrasan haben wir nun schon zum zweiten Mal im Sazlik Hotel gewohnt. Uns gefiel dort die familiäre Atmosphäre und das super leckere Essen. Die Einrichtung ist asiatisch inspiriert, da die Tochter des Hauses in China lebt.
Die meisten Taucher dort übernachten im Atici 2, davon haben wir auch nur Gutes gehört.

Achtung: In Adrasan gibt es keinen Geldautomaten. Mit Euro zu bezahlen ist auch eher schwierig. Der nächste Geldautomat liegt einige Kilometer entfernt, an der Hauptstraße Richtung Antalya.


Kalkan
Wir wohnten im Apart Hotel 3T, das liegt ein bisschen außerhalb des Ortes auf der Anhöhe. Schöner Blick und sehr saubere große Zimmer. Ein guter Service und ein kleiner Pool. Wir haben uns dort wohl gefühlt. Aber hier braucht man wegen der Entfernung zum Ortskern einen Mietwagen.

 

Reiselektüre

Ein ziemlich guter Tauchreiseführer für die Küste vor Kas ist übrigens The Diving Guide Kas von Murat Draman (und unseres Wissens nach auch der einzige). Der Reiseführer ist sehr ausführlich, beschreibt die umliegenden Tauchplätze mit Fotos, Karten und kurzen Texten auf türkisch, englisch, französisch und deutsch. Man kann ihn online erwerben oder vor Ort in fast jeder Basis.

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